Reichsgericht

Bundesverwaltungsgericht

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig (Bild:LTM/Andreas Schmidt)

Von 1879 bis 1945 war das Reichsgericht in Leipzig der oberste Gerichtshof des Deutschen Reichs. Seine Zuständigkeit umfasste die Straf- und Zivilrechtspflege sowie die Vereinheitlichung der Rechtsprechung im gesamten Reichsgebiet. Der Bau im Stil der Neorenaissance entstand Ende des 19. Jahrhunderts nach Plänen von Ludwig Hoffmann.

Zur Zeit der Weimarer Republik wurde dem Gericht vorgeworfen „auf dem rechten Auge blind zu sein“, da aus den Prozessen gegen nationalsozialistisch intendierte Verbrechen wie dem Kapp-Putsch 1920 zu milde Urteile hervorgingen. Nach 1933 wurden im Zuge der Gleichschaltung alle jüdischen und sozialdemokratischen Richter aus ihrer Arbeit entlassen und jüdische Anwälte an der Arbeit gehindert.

Obwohl sich das Gericht nicht gegen die Gewaltakte des Regimes stellte und die Entrechtung der jüdischen Bevölkerung auf zivilrechtlichem Weg stützte, fiel es dennoch in die Missgunst der NS-Regierung. Weil es im Prozess um den Reichstagsbrand die Mitangeklagten frei sprach und somit Hermann Görings Aussage über einen kommunistischen Umsturzversuch entgegen stand, wurde dem Reichsgericht 1934 im Bereich Hoch- und Landesverrat die Zuständigkeit entzogen.

Nach Ende des Krieges wurde das Reichsgericht von den Alliierten aufgelöst und an seiner Stelle in den Besatzungszonen Oberste Gerichtshöfe eingerichtet. Nach 1950 übernahm der neu gegründete Bundesgerichtshof in Karlsruhe die Aufgaben dieser Gerichte für das Gebiet der Bundesrepublik. In der DDR trat an diese Stelle das Oberste Gericht. Nach der politischen Wende 1989/90 blieb der Bundesgerichtshof am Karlsruher Standort.

Das Gebäude südwestlich des Leipziger Innenstadtrings dient seit 2002 als Sitz des Bundesverwaltungsgerichts.

Adresse

Reichsgericht
Simsonplatz 1
04107 Leipzig

Homepage: www.bverwg.de

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